Die romanischen Sprachen haben mich schon immer fasziniert, insbesondere die spanische und portugiesische Sprache Iberoamerikas. Zu den Dingen, die mich dabei besonders fesseln, gehören die Variationen zwischen den geografischen Gebieten, in denen sie gesprochen werden.

Dieses Phänomen ist nicht nur aus politischer oder historischer Sicht interessant, sondern auch von einem eher linguistischen Standpunkt ein paar Zeilen wert.

Es kann passieren, dass sich verschiedene Varianten einer Sprache ergänzen. Nehmen Sie nur Spanisch und seine zahlreichen Varianten: Die spanische Sprache hat ihre eigene Regulierungsinstanz, die Asociación de Academias de la Lengua Española, welche den Zusammenschluss von 22 Ländern der spanischsprachigen Welt repräsentiert. Diese Institution separater Sprachenakademien, zu der auch Spaniens Real Academia Española gehört, möchte Richtlinien für die Verwendung der spanischen Sprache unter anderem in der akademischen Welt und der Literatur aufstellen.

Der Kontrast zu anderen Sprachvarianten, d. h. europäisches bzw. brasilianisches Portugiesisch, könnte nicht größer sein. Die Unterschiede zwischen den beiden sind so tiefgreifend, dass einige Menschen sie als zwei vollständig unabhängige Sprachen ansehen. Auf diese Unterschiede trifft man bei vielen linguistischen Aspekten: Orthographie, Wortschatz, Grammatik, Syntax und Aussprache. Die folgenden Punkte sind ein paar Unterschiede, die für die Lokalisierungsbranche relevant sind.

Wortschatz

Der Wortschatz akzentuiert sehr viele Kontraste zwischen europäischem Portugiesisch und seinem brasilianischen Gegenstück. Das klassische Beispiel ist die Übersetzung von „Computermaus“. In Portugal halten die Menschen ihre „rato“ in der Hand (wortwörtlich „Maus“), wenn sie am Computer arbeiten, während man in Brasilien lieber die „mouse“ benutzt. Brasilianer machen „esporte“ (vom englischen Wort „sports“), während die Portugiesen „desporto“ machen (vom spanischen Wort „deporte“). Diese Beispiel enthüllen eine klare Tendenz: Im Português brasileiro werden häufig Anglizismen verwendet (und zu den offiziellen Wörterbüchern hinzugefügt). Die europäische Form enthält mehr Wörter, die den romanischen Ursprung der portugiesischen Sprache widerspiegeln.

Grammatik

Ein deutlicher grammatikalischer Unterschied findet sich in der Präsens-Verlaufsform (z. B. „sie arbeitet gerade“). Das brasilianische Portugiesisch verwendet selten das Konstrukt estar + a + Infinitiv („ela está a trabalhar“), das im europäischen Portugiesisch stark verbreitet ist. Brasilianer sagen daher immer „ela está trabalhando“, was die klassische portugiesische Form der Präsens-Verlaufsform ist, d. h. estar + Gerundium.

Ein weiterer wichtiger Kontrast liegt in den syntaktischen Präferenzen der beiden Varianten. Im brasilianischen Portugiesisch wird das Objektpronomen vorzugsweise vor das Verb gestellt, wie zum Beispiel in „ele me deu o dinheiro“ („er gab mir das Geld“). Das würde im europäischen Portugiesisch merkwürdig klingen, denn hier wird das Objektpronomen normalerweise dem Verb nachgestellt: „ele deu-me o dinheiro“.

Als Sprachdienstleister empfehlen wir Ihnen, beide Varianten der portugiesischen Sprache als unterschiedliche Sprachen in Ihrem Lokalisierungsarbeitsablauf zu berücksichtigen. Sie können nicht einfach eine Variante für alle Regionen verwenden.